Pater Karl-Edmund Prier SJ ist gestorben

Ein Jahr mit vielen up and downs geht zuende. Einige “ups”: Meine Autobiographie, die waehrend der Pandemie entstanden ist,wurde fertig. Im Juli bekam ich eine Nachfolgerin als Leiter des Musikzentrums. Von der staatlichen Hochschule fuer Kunst erhielt ich den Ehrentitel “DrHc” fuer meine 30jaehrige Taetigkeit als Dozent. Zusammen mit meinen Mitbruedern machten wir Ferien auf den Karimunjawa-Inseln. Die Zuammenarbeit mit der nationalen Liturgiekommission, die seit vielen Jahren auf Eis lag, beginnt Fruechte zu tragen. Mein lang gehegter Wunsch, die Eindruecke von den Reisen durch Indonesien zu dokumentieren, wird Schritt fuer Schritt wahr.
Aber es gab auch “downs”: Mein Haemoglobinwert ist im Keller, wodurch mein Koerper geschwaecht ist; meine Beine haben Wassereinlagen, wodurch mein Gehen erschwert wird; mein rechtes Handgelenk ist laediert durch einen Fall, wodurch ich behindert bin beim Duschen, beim Schreiben mit dem PC und Handy. - Aber mit 86 Jahren darf ich mich nicht beklagen.
Soweit von mir. Im Februar 2024 wird der neue Praesident gewaehlt; das Wahlfiber ist voll im Gang. Anders als in Deutschland und anderswo haben wir in Indonesien guten Nachwuchs: 15 Novizen begannen das Jesuitennoviziat. Der Klimawandel ist noch nicht in Indonesien angekommen, ausser einer kleinen Verspaetung der Regenzeit. Also kein Grund zur Aufregung.
Ein Leben für die Musik: Immer auf der Suche nach den Perlen
Weihnachtsbrief 2022
Liebe Verwandte, Freunde und Bekannte,
Weihnachten steht vor der Tür, das Jahr 2022 geht zuende. Manche von euch habe ich im
vergangenen Sommer getroffen und wir haben z.T. tief religiöse Gespräche geführt über die
Kirche und die Welt. Dank dem 9 EURO Ticket kam ich viel und bequem herum. Aber die Zeit
war eben begrenzt, so dass ich nicht überall anklopfen konnte, wo ich wollte. Ich habe viel
mitgenommen von diesen Begegnungen und Gesprächen z.T. auch per Telefon.
Doch nun friert ihr und hier schwitzen wir. Leider kann ich an diesen Brief keine
Sonnenstrahlen anhängen, oder vielleicht doch? - Bei meiner Reise durch Deutschland
hatte ich den Eindruck, dass viele isoliert sind, mehr als vor vier Jahren. Das Handy ist
wichtiger als der Mitmensch. In Indonesien redet man miteinander, lacht man, auch wenn
einem nicht zum Lachen ist. Und das bringt Sonnenschein ins Leben. Denn positive
Gespräche ermöglichen es, die negativen Eindrücke in einem grösseren Zusammenhang zu
sehen. Und siehe da, alles wird heller und lichter.
Das ist auch der tiefere Sinn unserer Weihnachtskarte, "Seht, Licht kommt in diese Welt.
Seht Christus der mächtige König - liegt in einer armen Krippe."

Ich wünsche euch allen dieses Licht und die Bekanntschaft mit dem König in der Krippe.
Frohe Weihnachten und ein gesegnetes Neues Jahr 2023
Weihnachtsbrief 2021
Das Jahr 2021 war trotz Pandemie für mich und mein Team ein Jubeljahr: 50 Jahre Zentrum für liturgische Musik! Allerdings anders als geplant: aus einem grossen Chorkonzert wurde ein virtuelles Chorkonzert mit 15 Chören aus ganz Indonesien, die uns eine Videoaufnahme zukommen liessen. Aus einer Festmesse im grossen Auditorium wurde eine hl. Messe mit 20 Teilnehmern, die allerdings life via Youtube von hunderten Fans in ganz Indonesien mitgefeiert wurde. - Was bleibt? Eine reiche Erfahrung über Kommunikationsmöglichkeiten wie Webinar, Verwendung von Youtube Channel, Block, eine neue Homepage u.a.m.; eine Fotoausstellung über 50 Jahre Pusat Musik Liturgi; eine Gedenkschrift mit Beiträgen von ehemaligen Schülern. Dazu kommt die Herausgabe eines lang geplanten Lehrbuchs über "Kontrapunkt" u.a. mit Analysen der Chorsätze von Paul Widyawan, die hierzulande nach wie vor viel Beachtung finden. Stolz sind wir auch über ein virtuelles Seminar für die Teilnehmer unseres Orgelfernkurses, das dank der Technik und hilfreichen Technikern zufriedenstllend ablief.
Natürlich verlief nicht alles reibungslos. Ein Mitarbeiter erkrankte schwer am Coronavirus, wir mussten uns alle untersuchen lassen; unser Nachtwächter starb nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt unerwartet, wobei nicht klar wurde warum. Doch Gott sei Dank, blieben die andern Mitarbeiter sowie ich selbst verschont. Zum Glück hat die indonesiche Regierung beizeiten erkannt, dass Impfungen gegen Covid der beste Schutz sind. Und die Leute haben mitgemacht. Auch ich bin zweimal geimpft. - In diesem Jubeljahr habe ich beinahe alle ehemaligen Mitarbeiter besucht und dabei auch miterlebt, was sie an Freud und Leid erfahren. Umgekehrt werde ich beinahe täglich von Hilfesuchenden und Arbeitslosen besucht: Becakfahrer und Strassenverkäufer, Christen und Moslems, Alte und Junge. Zum Glück erhielt ich mehrmals in diesem Jahr grössere Spenden von Deutschland, so dass ich tatkräftig und unbürokratisch helfen konnte und helfen kann.
Das Jahr 2021 brachte uns eine echte Bereicherung in Form von einem neuen Mitarbeiter und einer neuen Mitarbeiterin. Die Regeneration unseres Teams ist also voll im Gang. Ich selbst habe mich um einen Jesuiten-Nachfolger bemüht, aber noch keinen gefunden. Doch besteht durchaus die Hoffnung, dass einer oder eine aus unserem Team das Steuer übernehmen wird. Denn Arbeit für die nächsten Jahre gibt es genug: Unser Gebet- und Gesangbuch soll 2025 in einer erneuten Auflage erscheinen.
Unsere Musikkurse müssen an die erneuerte Technik angepasst werden. Das setzt viel Zusammenarbeit voraus, und hält den Laden in Schwung - wenn nötig auch ohne mich.
Seit 2020 versuche ich nach Deutschland zu reisen. Aber Coronabedingt klappte das noch nicht. Inzwischen habe ich jedoch einen interessanten Ausweg gefunden: ein virtuelles Familientreffen per Google ZOOM. Ich hoffe dennoch, dass es im Juli 2022 daraus ein reales Treffen wird.
Weihnachtsbrief 2020
Weihnachtsbrief 2019
Paul Widyawan +10.08.19
er ging an meiner Seite in gleichem Schritt und Tritt."
Diese Worte kamen mir in den Sinn, bei dem Versuch euch mitzuteilen, was ich momentan fühle. Wenn man 52 Jahre zusammengearbeitet hat und der Kamerad nicht mehr an der Seite ist, fühlt man dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Doch was war geschehen?
Seit dem Unterzucker am 29. Dezember 2018 war Paul verändert. Er klagte über Schmerzen im ganzen Körper, Konzentrationsprobleme, Appetitlosigkeit, Hitzewallungen. Die Tabletten der verschiedenen Ärzte brachten keine Besserung. Die Diagnose auf Herzschwäche erwies sich als gegenstandslos. Paul wohnte seit Januar in unserem Zentrum, nahm regen Anteil an unserer Arbeit z.B. bei der Vorbereitung der Chorleiterschulung Anfang Juli sowie für das im Dezember 2019 geplante Konzert des Kinderchores. Zugleich bemühte er sich, "mein Leben in Ordnung zu bringen", wie er sagte. Dazu gehörte sein Haus, das er pro forma an seine Schwester verkaufte, sein Roller und das Auto, das er unserem Zentrum vermachte. Umgekehrt kümmerten sich seine Schwestern, Nichten und Neffen um ihn, brachten ihm täglich das Essen, die Verwandten von Jakarta kamen zu Besuch, um Abschied zu nehmen. Ich sass jeden Tag bei ihm beim Essen. Wir redeten bis er mir dann sagte, jetzt bin ich müde. Er fühlte sich von Tag zu Tag schwächer.
Als ich am 3. August 2019 wegfuhr zu meinen 8tägigen Jahresexerzitien, sagte er mir: Vielleicht sehen wir uns nicht mehr. Ich sagte ihm: Wenn nicht hier, dann sicher drüben. Am 9. August 2019 morgens um 4.30 stürzte Paul und blieb eine Stunde bewusstlos liegen. Um 5.30 raffte er sich auf und fand den Weg zu seinem Bett. Doch als man ihm um 6.30 das Frühstück brachte, meinte er der Sturz sei nicht so schlimm gewesen. Dennoch äusserte er im Lauf des Morgens den Wunsch, mich zu sehen. Peter, ein Angestellter unseres Zentrums holte mich ab. Doch bevor ich in Yogya ankam, fiel er gegen 13.00 ins Koma. Um 14.00 traf ich in der Notaufnahme des Krankenhauses einen sterbenskranken Paul. Er zitterte am ganzen Leib. Der Monitor zeigte grosse Schwankungen des Blutdrucks und des Pulses. Ich dachte dass er jeden Augenblick sterben werde. Ich spendete ihm die Krankensalbung und wir beteten fortwährend für ihn. Ein CT-Scan von seinem Kopf ergab, dass eine grosse Blutung im Kopf war. Der Arzt sagte, da kann man nicht mehr operieren. Mit andern Worten, es war klar, dass er nicht mehr gesund wird. Dank der Infusion war er nun viel ruhiger geworden und schlief. Gegen 17.00 verabschiedete ich mich. Seine Schwester Theresia blieb bei ihm. Sie sang ihm Marienlieder vor und redete ihm ruhig zu, obwohl er noch stets im Koma lag. Um 2.00 morgens (Samstag, den 10.8.19) wurde der Puls schwach und um 2.05 stand das Herz still. Der Arzt stellteden Tod fest. Sofort rief sie mich an. Noch in der Nacht verschickte ich etliche SMS und versuchte meine Leute zusammenzutrommeln. Um 6.00 trafen wir uns in unserem Zentrum und verteilten die Aufgaben. Theresia und Viktor (ein pensionierter Mitarbeiter) hatten im Krankenhaus mitgeholfen, ihm die Kleidung anzuziehen, dier er eigens für seinen Tod vorbereitet hatte. Um 8.00 kam der Sarg vom Krankenhaus. Paul sah gelöst und viel jünger aus. Denn seit Anfang 2019 war sein Gesicht deutlich von seinem Leiden geprägt.
Am 10. August abends war ein Requiem mit über 200 Teilnehmern und am folgenden Tag, Sonntag den 11.August um 11.00 ein weiterer Gottesdienst mit der Segnung und Verabschiedung zum Friedhof. Auch dieser Gottesdienst war sehr gut besucht, nicht nur aber vor allem von ehemaligen Chormitgliedern, die ihm ihren Dank abstatteten.-
Meine Bekanntschaft mit Paul war ein Glücksfall. Denn wenn ich als Ausländer im Alleingang versucht hätte, die indonesische Kirchenmusik umzukrämpeln, hätte ich sicher Gegenwind bekommen, ganz abgesehen davon, dass mir "die Seele" der Indonesier verschlossen geblieben wäre. Umgekehrt hätte Paul als begabter Musiker aber eben als Laie ebenfalls grosse Probleme gehabt, wenn ich ihm nicht Rückendeckung gegeben hätte. Freilich, die Freundschaft verlief nicht immer glatt, denn westliches Denken und östliches Fühlen sind zweierlei Paar Stiefel. Aber gerade das gegenseitige Verstehen und demütige Nachgeben brachte wunderbare und unvergessliche Ergebnisse, für die ich nicht genug dankbar sein kann.
Doch es geht weiter. Interessant war, dass in den letzten Tage mehrere Kondulenten sich anboten, uns zu helfen z.B. als Orgellehrer für 120 Grundschüler sowie als Chorleiterin für den Kinderchor, der im Dezember ein Konzert geben soll anlässlich meines 50jährigen Priesterjubiläums. "Paul hilft uns, indem er uns Leute schickt", sagte mir Peter heute. Interessant. Dann schmort Paul vielleicht doch nicht im Fegfeuer, sondern hat das neue Leben begonnen, nach dem wir uns alle sehnen.
Karl-Edmund Prier sj
"Wir wissen dass wir aus dem Tod
in das Leben hinübergegangen sind,
weil wir die Brüder lieben." (1 Joh 3,14)
Weihnachtsbrief 2018
Liebe Freunde und Verwandte,
Eigentlich wollte ich das Jahr 2018 unter das Thema "Der Hirt bleibt bei den Schafen" stellen. Das habe ich ja zum Sultan gesagt, als er mich am 11.2.18 abends im Krankenhaus besuchte; und das ist ja anscheinend auch in den Nachrichten bis nach Deutschland gekommen. Doch im Nachhinein kommt mir das viel zu überheblich vor. Vor kurzem las ich einen Satz von Papst Franziskus der mir mehr zu passen scheint: "Es kann sein, dass man sich als Lamm unter Wölfen findet, aber man darf nicht gegen die Wölfe kämpfen; man muss einfach Lamm bleiben. So wird der Hirte sein Lamm dort finden wo es ist."
" Wölfe" gab es heuer noch mehr: Die Krankheiten von meinem Mitarbeiter Paul; zuerst seine Augenkrankheit, die zum Glück in Deutschland kuriert wurde; dann die Herzschwäche, die schliesslich zum Aus des Chores Vocalista Sonora geführt hat – nachimmerhin 54 Jahren!
Doch ich möchte nicht mit den Wölfen heulen (das würde ja bedeuten mit ihnen zusammenzuarbeiten). Es gab auch echte Lichtblicke: die Gesänge für die Augustinerschwestern in Ketapang (Westborneo), die Paul zu Beginn dieses Jahres komponiert hat und die wir im Juni daselbst mit den Schwestern eingeübt haben; die Chorleiterschulung zusammen mit den Teilnehmern des Organisten-Fernkurses Anfang Juli hier in Yogya mit 64 Teilnehmern; dazu drei Chor- Schulungen im August-September in Mittel- und Ostjava sowie in Südborneo; das Weihnachts-Konzert des Kinderchores Vocalista Divina am 15.12.18. Seit September haben wir einen neuen jungen Mitarbeiter, der neue Ideen in unser Musikzentrum reinbringt, z.B. indem er Youtube-Auftritte organisiert.
Hoffen wir, dass im neuen Jahr weniger Wölfe kommen, dass wir als Lämmer an unserem Platz aushalten, so dass der wahre Hirt uns dort findet und hilft, wo's nötig ist.
Euch allen wünschen wir Frohe Weihnachten
und ein Gutes Neues Jahr.
Karl-Edmund Prier Paul Widyawan
Jesuitenpater Karl-Edmund Prier ist nach dem Attentat vom 11. Februar erstmals wieder zu Besuch in Weinheim / Musik beschert ihm besondere Momente

Was geschah? Wie gewohnt leitete ich die hl. Messe morgens um ½ 8. Es waren etwa 300 Glaeubige anwesend. Wir waren gerade beim Gloria als im hinteren Teil der Kirche ein Tumult entstand: die Leute verliessen fluchtartig die Kirche. Ich dachte erst an ein Erdbeben, aber die Erde bebte nicht. Als auch der Gesang verstummte hoerte ich Schreien und wurde gewahr was geschah: ein junger Mann mit einem 90cm langen Schwert schlug auf die Leute ein, die z.T. versuchten sich zu wehren, aber dann aus der Kirche liefen. Ich blieb am Altar stehen um die Aufmerksamkeit von den Leuten abzulenken. Mir kam der Satz in Erinnerung: “Wenn der Wolf kommt, bleibt der gute Hirt bei seinen Schafen” (hm). Nachdem die Kirche fast leer war, kam der Angreifer durch den Mittelgang nach vorn mit erhobenem Schwert und “Allahu akbar”-Rufen. Ein junger Mann von 22 Jahren. Ich blieb auf meinem Platz, um zu sehen ob er wirklich auf mich losgehen wuerde. Einen Augenblick fuehlte ich mich wie David gegenueber Goliath. Und das gab mir eine ungeheure Ruhe und Kraft. Vor dem Altar blieb mein Gegner einige Sekunden stehen, um Eindruck auf mich zu machen. Als ich keine Anzeichen von Angst zeigte kam er die Altarstufen herauf und schlug auf mich ein. Ich life immer noch nicht weg, sondern drehte mich um 90 Grad nach rechts, so dass die ersten beiden Schlaege auf meinem Ruecken landeten. Der dritte Schlag traf meinen Kopf. Ich fuehlte, dass ich stark blutete. Erst dann verliess ich den Altarraum. Der Leiter der St. Lidwina-Station kam mir entgegen und sagte: Ich bringe Sie zum Krankenhaus. Dafuer bekam er auch noch einen Hieb von Goliat. Er folgte uns aber nicht sondern koepfte dafuer die Marien- und Herz Jesu statue.
Druckversion
Pater Prier aus Klinik entlassen!
WN v. 13.2.2018 (www.wnoz.de)
Pater Prier bei Anschlag verletzt

Vor 14 Tagen verstarb plötzlich eine Mitarbeiterin unseres Zentrums, die von Beginn an mit dabei war und bis zum letzten Tag uns mit ihrem Optimismus und ihrer Disziplin begeistert hat. 45 Jahre lang hat sie nicht nur die Finanzen und die Buchhaltung versorgt, sondern mitgedacht auch bei unseren Musikkursen, bei der Herausgabe von Büchern sowie bei den kleinen und grossen Feiern, bei denen sie als gute Köchin ihr Bestes tat. Es war nicht leicht, von ihr Abschied zu nehmen.
Der August begann mit dem Asian Youth Day, d.h. Yogyakarta war eine Woche lang Hausherr für Tausende von Jugendlichen von Indien bis Japan und natürlich auch von Indonesien. Unser Zentrum gehörte zu einem der "Exponate", d.h. wir bekamen Besuch von ca. 50 Jugendlichen, die sich für die neue indonesische Kirchenmusik interessierten, einschliesslich für unsere Instrumentensammlung, die sie natürlich auch ausprobieren konnten. Bei der Abschlussmesse am 6. August 2017 wurden nicht nur unsere Gesänge verwendet, sondern auch die entsprechenden Musikinstrumente aus Sumatra, Java, Kalimantan, Timor, Flores. Selbst der Vizepräsedent, der eigens aus Jakarta kam, war davon begeistert.
Zum Glück hatten wir im August einen Gast aus USA, eine Studentin, die sich für Inkulturation der indonesischen Kirchenmusik interessiert und darüber auch ihre Dissertation schreiben will. Zumindest bei besagtem Besuch der Jugendlichen in unserem Zentrum konnte sie als Übersetzerin gute Dienste leisten.
Im August waren mein Mitarbeiter Paul und ich nach Pekanbaru in Sumatra eingeladen, um 80 Chorleiter und 15 Organisten 3 Tage lang zu schulen. War nicht ganz einfach, denn die Bataker in Nordsumatra sind bekannt für ihre lauten Stimmen; doch laut ist nicht immer schön. Das andere Problem war der Rückflug: wegen einer technischen Störung sassen wir ganze 8 Stunden im Flughafen bis der Flieger abhob. Aber Hauptsache, wir kamen heil nach Yogya.
Der Juli begann mit unserer jährlichen Schulungswoche für die Organisten unseres Fernkurses, zusammen mit Chorleitern. Die Organisation ist nicht immer einfach ist (Unterkunft und Verpflegung, Lehrer für den täglichen Orgelunterricht sowie Prüfungen, Proben für die Abschlussmesse). Aber es ist doch jedesmal für die Teilnehmer und für unser Team ein Fest. Denn es wird den ganzen Tag gesungen und musiziert und zwar nicht schlecht, dank der konsequenten aber auch aufheiternden Pädagogik von Paul.
Diese Schulungswoche war zugleich 'deadline' / Zielpunkt für die Herausgabe von einigen Musikbüchern, die schon seit Jahresbeginn in Arbeit waren. Aber ohne einen festen Termin wären sie wohl auch heute noch nicht fertig. Das ist auch sicher das Mitverdienst von zwei neuen jungen Mitarbeitern ("neue Besen kehren gut"), die seit Ende 2016 unsere Mannschaft "regenerieren".
Ende Mai machte unsere Jesuitenkommunität ein paar Tage Urlaub in Bandung / Westjava. Vulkane und historische Orte (1955 fand hier die Bandung-Konferenz von 29 unabhängigen Staaten aus Afrika und Asien statt) sorgten für Entspannung.
Doch es gab auch unvorhergesehene und weniger schöne Ereignisse: Ein Teil unseres Archivs wurde von Termiten buchstäblich aufgefressen! Das war nicht nur ein materieller Verlust, sondern bescherte uns viel zusätzliche Arbeit mit dem Aus- und Umräumen, Säubern.
Lm April kam Lndonesien in die Schlagzeilen, weil man dem Gouverneur (Ministerpräsident) des Sonderbezirks Jakarta u.U. nicht verzeihen wollte, dass er als Protestant eine abschätzige Bemerkung über den Koran gemacht hatte. Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung ihn schätzte, wurde er bei der Gerichtsverhandlung verurteilt und gleich eingesperrt . Dafür wurden dann tagelang vor seinem Büro Blumen niedergelgt, die ihm freilich auch nicht halfen.
Doch es gab auch angenehme Überraschungen: Von der Zentrale der protestantischen Kirche io Jakarta wurden wir gebeten, die neu komponierten Gesänge für einen nationalen Chorwettbewerb 2018 zu sichten, auszuwählen und zu verbessern. Keine leichte Aufgabe, denn damit ist auch Verantwortung verbunden.
Die andere gute Nachricht: Meine Gesundheit ist ok, das war zum indest das Ergebnis eines medica l checkups aller Jesuiten in Indonesien vor zwei Monaten.
Soweit das Neueste aus Yogyakarta. Viele Grüsse und - so Gott will - bis auf ein Wiedersehen im Sommer 2018 in Deutschland.
Herzliche Grüsse von der Rückseite der Erde,







