Es sind die Ikonen von der Muttergottes, dem Erzengel Michael und der Heiligen Sophia mit ihren drei Töchtern, die für die drei Tugenden: Glaube, Liebe, Hoffnung stehen. Es berührt mich sehr, dass mit diesen Ikonen ihre Glaubenserfahrung aus ihrer Heimat bei uns einziehen. Für orthodoxe Christinnen und Christen sind Ikonen ein Fenster, das den Blick in den Himmel öffnet und die Begegnung mit dem Heiligen, mit dem Geheimnis Gottes ermöglicht.
Vielleicht kennen Sie die russische Legende von der Witwe Varenka, die glücklich und zufrieden in ihrer einsamen Hütte im Wald lebt. Doch dann kommt Krieg und viele Menschen müssen fliehen. Auch Varenka wird gewarnt, aber sie will bleiben, denn wer würde die müden Wanderer stärken oder sich um die Kinder und Tiere kümmern? Jeden Abend betet sie vor ihrer Ikone und bittet Gott, dass er sie beschützt und eine Mauer um ihr Haus baut. Im Laufe der Zeit kommen immer mehr Menschen in Varenkas Häuschen, um vor dem Krieg Schutz zu suchen und nun betet die kleine Gruppe gemeinsam vor der Ikone. Ihr Gebet, dass Gott eine Mauer um ihr Haus bauen solle, wird erhört - aber ganz anders als erwartet. Es schneit und schneit, bis das kleine Haus im Schnee verborgen ist und die Soldaten vorbeiziehen.
Die Geschichte zeigt uns, wie Gott in unser Leben eingreift und es auf unvorhersehbare Weise verändern kann. Für Varenka waren Glaube, Liebe und Hoffnung die Quellen ihrer Stärke. Das Gottvertrauen half ihr in dieser ausweglosen Situation. Varenkas Erfahrung hat mit der Not vieler Menschen aus unseren Tagen zu tun, die bedroht und auf der Flucht sind. Wir wollen nach unseren Möglichkeiten helfen, spüren aber auch, dass wir immer wieder an unsere Grenzen stoßen und nicht alles aus eigener Kraft verändern können. In den Wochen vor Pfingsten sind wir eingeladen, um die Gaben des Heiligen Geistes zu beten und aus den Glaubenserfahrungen unserer Gäste zu lernen.
Ich wünsche Ihnen allen ein frohes Pfingstfest!
Michaela Mikula, Gemeindereferentin