Maria 2.0

10.07.2019 |

Anstoß-Treffen am 27.06.19


Der Einladung zum Anstoß-Treffen von Maria 2.0 im Pfarrgarten von St. Laurentius am 27.06.19 folgten fast 40 interessierte Frauen und Männer. Vor den Informationstafeln zur Entstehung der Aktion Maria 2.0, einer Übersicht zum Anteil ehrenamtlich tätiger Frauen und Männer in der Gemeinde St. Laurentius/Herz Jesu, Zeitungsartikeln zu Aktivitäten der Aktion Maria 2.0 im Rhein-Neckar-Kreis sowie zur Kirchenentwicklung 2030 entstand rasch ein reger Austausch zwischen den Teilnehmern. Nach einer Begrüßung durch die Organisatorinnen ging es in vier kleineren Diskussionsrunden weiter. Zu den drei vorbereiteten Fragen:

1.   Wie sehe ich die Aktion Maria 2.0?
2.   In der Katholische Kirche: Wie fühlt sich das an? Was ist mir wichtig an Kirche und in der Kirche?
3.   Gibt es bei mir schon Ideen, was in unserer Gemeinde unter dem Stichwort Maria 2.0 passen könnte?
 
entwickelte sich ein intensiver und fruchtbarer Austausch in den Kleingruppen, der auf Karten stichwortartig zusammengefasst wurde. Die Ergebnisse der einzelnen Gruppen wurden anschließend zusammengetragen, wobei sich Übereinstimmungen und Schwerpunkte herauskristallisierten. 
Konsens bestand bei den meisten Teilnehmern darüber, dass ihnen ihr Glaube sehr wichtig ist und für sie ein Stück Heimat bedeutet. Viele leiden an der katholischen Kirche, weil diese, nicht zuletzt durch den Umgang mit dem sexuellen Missbrauch, für sie viel von ihrer Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. Die Abschaffung des Pflichtzölibats erscheint vielen als wichtige Voraussetzung, die Kirche zukunftsfähig zu machen. Der mangelnde Mut zur Veränderung verkrusteter Strukturen und die zunehmende Entfernung von der Lebenswirklichkeit der Gläubigen, insbesondere der veränderten Rolle der Frau in unserer Gesellschaft (Stichwort Gleichberechtigung), sind weitere thematische Schwerpunkte. Viele erleben die Kirche nicht mehr als Gemeinschaft, in der sie ihren Glauben im gemeinsamen Gebet und spiritueller Gemeinschaft leben und vertiefen können. Eine vertrauensvolle und innige Beziehung zwischen Gläubigen und Kirche droht zu zerbröckeln mit der Folge eines Rückzugs ins Private. Viele Aussagen spiegeln eine große Betroffenheit und Sorge um das Leben und Erleben des Glaubens in der Kirche. 
Der Wunsch, dieses Unwohlsein und diese Sorge den Verantwortlichen in der Kirche mitzuteilen, ist sehr groß und so entstand als Vorschlag, dieses Unbehagen, aber auch die tiefe Sorge in einem Brief an den Bischof zu formulieren. Dieser soll zur Unterschrift ausgelegt und dann verschickt werden mit der Bitte um eine möglichst persönliche Rückmeldung. Eine direkte Diskussion z. B. mit einem Referenten unseres Bischofs wurde als Wunsch formuliert. 
Insgesamt findet die Initiative Maria 2.0 große Zustimmung, es wurden aber auch Bedenken geäußert, ob dies der richtige Weg sei. Insbesondere wurde die Gefahr einer Spaltung genannt.
Um mehr bewegen zu können ist es wichtig, sich mit anderen Gläubigen, die angeregt von der Initiative Maria 2.0 aktiv geworden sind, zu vernetzen, damit unseren Anliegen mehr Nachdruck verliehen wird. Dazu wurden bereits erste Kontakte nach Mannheim und in die Region geknüpft, welche intensiviert und ausgebaut werden sollen. Die Vernetzung könnte den Boden bereiten für die Entwicklung einer großen Bewegung, die z. B. im Rahmen einer Demonstration in Freiburg sowohl den Verantwortlichen im Ordinariat als auch der Öffentlichkeit vor Augen führen könnte, dass Veränderungen in unserer Kirche nicht nur von Einzelpersonen gefordert, sondern von vielen Gläubigen gewünscht werden.

Wichtig war den Teilnehmern, unsere Anliegen und Ergebnisse in die Gemeinde hineinzutragen und in Zukunft mehr Teilhabe an der Gottesdienstgestaltung zu haben, um die christliche Gemeinschaft zu stärken. Eine Idee war, am kommenden Sonntag die Predigt mitzugestalten. Nach Absprache mit Herrn Pfarrer Schrimpf fand die Predigt am darauffolgenden Sonntag im Dialog mit Manuela Makabe statt, die in großer persönlicher Offenheit über ihren Glauben und ihr Engagement für Maria 2.0, sowie die Ergebnisse des Anstoß-Treffens sprach. Die Predigt wurde mit langem
Applaus bedacht. Im Anschluss an den Gottesdienst konnte der Austausch beim „Treff auf der Trepp“ fortgesetzt werden, was von vielen Gläubigen in Anspruch genommen wurde.
 Jetzt geht es darum weiter zu machen. Das Interesse der Öffentlichkeit ist groß, ein Interview über das Ergebnis des Anstoß-Treffens mit der Redakteurin der „Weinheimer Woche“ hat bereits stattgefunden. Weitere Aktivitäten sind geplant und werden allen Interessierten mitgeteilt.

Interessierte, die einen Brief an den Bischof schreiben wollen, haben sich schon zusammengefunden. Eine Intensivierung der Vernetzung ist nach den Sommerferien geplant, Mitstreiterinnen und Mitstreiter sind herzlich willkommen. Es gibt bereits erste Gespräche darüber, in naher Zukunft eine Eucharistiefeier mitzugestalten und Wortgottesdienste gemeinsam vorzubereiten. Jeder, der sich einbringen und mitgestalten möchte, ist herzlich eingeladen zum nächsten Austausch und Treffen am Dienstag, den 23.07.2019 um 19:30h im Pfarrgarten (bei schlechtem Wetter im Pfarrhaus) von St. Laurentius. Nur gemeinsam können wir uns die Heimat unseres Glaubens zurückholen und unsere Kirche zukunftsfähig machen.