„Wer dankbar ist, fördert das eigene Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, geht mit Stress und Problemen besser und konstruktiver um, ist hilfsbereiter und rücksichtsvoller, hat eine wichtige soziale Kompetenz. Dankbare Menschen sind weniger anfällig für Neid und Minderwertigkeitsgefühle, sie können mit Ärger anders umgehen, werden über einem Unglück nicht bitter und haben so etwas wie eine Notration für die dunklen und weniger glücklichen Tage des Lebens. Wer dankbar ist, lebt zufriedener und gesünder.“
Diese psychologische Erkenntnis wird auch in folgender Geschichte deutlich:
In der Toskana lebte eine weise Frau, die sich jeden Morgen eine Handvoll Bohnen in ihre linke Jackentasche steckte. Immer, wenn sie während des Tages etwas Schönes erlebt oder wenn ihr etwas Freude bereitet hatte, nahm sie eine Bohne aus der linken Tasche und gab sie in die rechte.
Der Duft der frischen Morgenluft, das Lächeln bei einer zufälligen Begegnung, ein leckeres Essen, das nette Gespräch mit einer Nachbarin – immer wanderte eine Bohne von der linken in die rechte Tasche.
Bevor sie am Abend ins Bett ging, zählte sie die Bohnen in ihrer rechten Jackentasche. Und bei jeder Bohne konnte sie sich an das positive Erlebnis erinnern. Zufrieden und dankbar schlief sie ein – auch wenn sie nur eine Bohne in ihrer rechten Jackentasche hatte.
Was viele religiöse Traditionen raten, ist empirisch bestätigt: Dankbar sein, eine Haltung, die großen und kleinen Dinge des Lebens als Geschenk zu sehen, das beglückt. Wir sagen uns, dass es sich lohnt, Gutes zu erwarten, und dass wir mehr davon erleben möchten. Und das macht zufriedener, optimistischer und hoffnungsvoller.
Zu den Ritualen der Dankbarkeit gehört auch unser christliches Erntedankfest. Mit den Früchten der Gärten und Felder sagen wir gleichzeitig Danke für den Reichtum unsres Lebens, für jede „Bohne“, die von der linken in die rechte Tasche gewandert ist. Und wir erinnern uns an unsere Verantwortung für die Schöpfung, für Mensch und Tier und dafür, dass wir dafür Sorge tragen, dass weitere Generationen an diesem Geschenk Erde Freude haben können.
Monika Paschke-Koller
Klinikseelsorger