Fronleichnam 2020

09.06.2020 |

Gedanken zu Fronleichnam
(von Felix Genn)
Auch Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, hat einen österlichen Charakter. Die Kirche feiert es am zweiten Donnerstag nach Pfingsten und betrachtet noch einmal mit besonderer Aufmerksamkeit, in tiefer Ergriffenheit und Dankbarkeit, was ihr der Herr am Gründonnerstag mit der Einsetzung der Eucharistie geschenkt hat. Das Wort: "Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage" (Matthäus 28, 20) ist real und fassbar im Sakrament des Altares, in dem der gekreuzigte und
auferstandene Herr wahrhaft unter uns bleibt.

So werden das während der Messfeier in den Herrenleib verwandelte Brot und der in Christi Blut gewandelte Wein zum Inbegriff der Liebe Gottes, die uns nie verlässt. Darum sagt Jesus von sich im Johannesevangelium: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel  erabgekommen ist… Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt." (Johannes 6, 51). Seine liebende Hingabe, die Frucht seines Todes und seiner Auferstehung, hält an und wirkt fort. Das bekennen und verkünden wir, wenn wir das Allerheiligste in Gestalt der Brothostie an diesem Tag in der Monstranz - in einem kostbaren Schaugefäß - …sehen und Jesus um seinen Segen für alle Menschen bitten.
… Jesus Christus hat sich sakramental an seine Kirche gebunden. Wenn er unseren Blicken auch entzogen ist, so bleibt er doch bei uns in der Kraft seines Geistes, durch alle Wechselfälle der Geschichte hindurch. So werden jene, die an ihn glauben, selbst zum Sakrament, also zu Trägern und Spendern der wirklichen Gegenwart Gottes unter den Menschen.
Das Fronleichnamsfest erinnert die Kirche daran, dass der Herr lebendig in ihrer Mitte ist. Seine Gegenwart macht ihren Weg und ihre Sendung zu einem österlichen Geschehen. Im Geheimnis des Leibes und Blutes
Christi betrachtet die Kirche gleichzeitig das Geheimnis ihrer eigenen Wirklichkeit, das der heilige Kirchenlehrer Augustinus auf den Punkt bringt: "Wenn ihr also Leib und Glieder Christi seid, dann liegt euer Geheimnis auf dem Tisch des Herrn: Euer Geheimnis empfangt ihr. Seid, was ihr seht, und empfangt, was ihr seid." (Sermones 272)
Aus: Felix Genn, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam,
in: Katholisch - Wissen aus erster Hand, 2010.
 

Wir bringen dir unser Leben

(von Andrea Schwarz)
Wir bringen dir das Brot unseres Alltags, das nicht immer leicht zu leben ist. Manchmal ist es hartes Brot. Leben ist nicht immer einfach. Das Brot unseres Alltags sind auch die Körner, die zermahlen werden. Das sind die Träume, die sterben müssen und Pläne die durchkreuzt werden. Hoffnungen, die nicht erfüllt werden. Das ist Mühsal und Arbeit und das ist unser Hunger und unsere Sehnsucht. Unser Leben ist manchmal so leer wie der Kelch, der jetzt auf dem Altar steht. Wir haben den Sinn verloren. Wir wissen nicht mehr weiter. Wir spüren unsere Einsamkeit und manchmal ist unser Leben ein Schrei danach, von dir gefüllt zu werden. Und dann sehnen wir uns danach, dass du den Wein des Lebens in uns eingießt. Dann sehnen wir uns danach, dass du uns erfüllst mit Leben und Lebendigkeit, mit Lebensfreude und Lebensfest. Und dann wünschen wir uns das Leben, das du uns verheißen hast. Den Wein der Freude, das Fest, das du uns zugesagt hast.
Aus: Andrea Schwarz, Du Gott des Weges segne uns.
Gebete und Meditationen. Herder Verlag, 2008.
 

Aus dem Johannes-Evangelium 6, 51 – 58:
Die Rede über das Himmelsbrot in Kafarnaum:


In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.
Da stritten sich die Juden und sagten: Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.